Niederdreisbacher Ex-Bundesligaspieler im Gespräch:
Interview mit Thorsten Judt

Zum Abschluss unserer Interviewserie zur Winterpause 2018/2019 führten wir ein ausführliches Gespräch mit dem größten Fußballer, den Niederdreisbach je hervorgebracht hat. Thorsten Judt, der aus dem Paradiesdorf stammt, spielte von 1994 bis 2009 für Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Oberhausen, Kickers Offenbach und Rot-Weiß Erfurt in den drei höchsten deutschen Spielklassen. Mit der Fortuna stieg er 1995 in die erste Bundesliga auf, mit Offenbach, wo er später sogar Kapitän war, 2005 in die zweite Bundesliga. Insgesamt kommt Judt auf beachtliche 294 Einsätze in den beiden Bundesligen. Mittlerweile wohnt Judt mit seiner Familie wieder in der Heimat und wird ab Sommer als Trainer der SG Wallmenroth/Scheuerfeld fungieren, die momentan um den Aufstieg in die Rheinlandliga kämpft.

VfB-Echo: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Engagement bei der SG Wallmenroth/Scheuerfeld! Was sind dort deine Ziele für die kommende Saison und darüber hinaus?

Judt: Vielen Dank! Ich freue mich sehr, dass ich bei der SG ab Sommer als Trainer der ersten Mannschaft arbeiten darf. Meine Ziele möchte ich erstmal hinten anstellen. Das Team hat mit ihrem Trainer Stefan Häßler, der eine ganz hervorragende Arbeit mit allen anderen Beteiligten (Co-Trainer, Betreuer, Vorstand etc.) in den letzten Jahren geleistet hat, noch eine schwierige Rückrunde vor der Brust und da gilt es alle Kräfte zu bündeln.
Was dann ab Sommer passiert, wird man sehen. Im Vordergrund wird sicher die Arbeit mit jungen, talentierten Spielern aus der näheren Umgebung stehen, so wie es auch schon in den letzten Jahren im Verein der Fall war, und da, denke ich, kann ich meinen Beitrag leisten. 

VfB-Echo: Zu deiner bevorstehenden Arbeit bei Wallmenroth gehört auch die Beobachtung anderer Teams im näheren Umkreis. Wie genau verfolgst du nach Jahren bei Klubs aus den obersten deutschen Spielklassen den regionalen Fußball?

Judt: Seit knapp anderthalb Jahren sind wir als Familie wohnhaft in Scheuerfeld und seitdem verfolge ich den Fußball hier natürlich intensiver als vorher. Auch vor dem Kontakt mit der SG habe ich mir in dieser Zeit immer wieder Spiele in der Region angeschaut. In den Jahren davor war es aus der Situation heraus natürlich eher beschränkt und auf die Heimatbesuche reduziert. 

VfB-Echo: Was hat denn eigentlich dich und deine Familie dazu bewogen, nach deinen Stationen in Städten in verschiedensten Regionen wieder in den Westerwald zurückzukehren? 

Judt: Einfach der Wunsch, mit meiner Frau und meinen zwei Mädels sesshaft zu werden, zumal im Sommer jetzt die Einschulung der Älteren ansteht. Somit kam mir die Gelegenheit, bei der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH im Bereich Soziales Engagement/Fußballschule zu arbeiten, gerade recht.

VfB-Echo: Du bist natürlich auch immer wieder Gast in deinem Heimatdorf Niederdreisbach. Unser junger Spieler Kevin Buchner betonte im Dezember im Interview, dass es dem VfB-Jugendtag 2011 unter deiner Leitung zu verdanken sei, dass er mit dem Fußball angefangen habe und mittlerweile in der Seniorenmannschaft spiele. Wie bewertest du die Entwicklung des VfB, der seit der Wiederaufnahme des eigenständigen Spielbetriebs 2009 im Rekordtempo in die Kreisliga A aufgestiegen ist und sich dort seit sieben Jahren hält? 

Judt: Das ist tatsächlich krass. Die Geschichte mit Kevin habe ich schon vor längerer Zeit auf eurer Homepage gelesen und kann mich natürlich nicht an ihn erinnern. Sorry dafür! Aber schön zu hören, dass er danach nicht zum Ballett gegangen ist, sondern eine Entwicklung im Fußball genommen hat, die mich sehr freut!
Großen Respekt vor dem VfB, denn gerade mit den Sportplatzgegebenheiten ist es sicherlich nicht immer einfach, Jungs für den Verein zu begeistern. Aber ich denke, dass es auf der anderen Seite wenige Teams gibt, die dort gerne ihr Auswärtsspiel bestreiten. Ich bin immer wieder gerne dort; es gibt viele ehemalige Spieler, die ich als ganz kleiner Junge in der ersten VfB-Zeit angehimmelt habe und die heute immer noch in irgendeiner Funktion oder auch „nur“ als Zuschauer dort ihren Teil zum Ganzen beitragen. Damals war es immer mein Traum, dort zu spielen – und es war Kreisliga D! Das hat sich dann irgendwann alles ein wenig verschoben… 

VfB-Echo: Das kann man wohl so sagen, denn anders als für den VfB ist die Kreisliga nämlich unbekanntes Terrain für dich. Du warst im Profibereich in Düsseldorf, Oberhausen, Offenbach und Erfurt aktiv. Besteht noch Kontakt zu den Vereinen oder zu Mitspielern aus dieser Zeit? Drückst du einem dieser Teams noch heute besonders die Daumen?

Judt: Ja, sicherlich hat man immer noch zu dem einen oder anderen Kontakt, aber vieles verläuft sich einfach mit den Jahren. Jeder geht seinen Weg und bei vielen Vereinen ist dann irgendwann gar niemand mehr tätig, den man noch kennen könnte. Wenn ich einen Verein hervorheben möchte, sind das die Kickers. Da hatte ich eigentlich meine intensivste und sportlich für mich persönlich erfolgreichste Zeit.

VfB-Echo: In der jüngsten Zeit konnte der VfB junge Spieler aus Niederdreisbach oder den Nachbardörfern in die Seniorenmannschaft integrieren. Der Verein ist aber weiter auf der Suche nach Kindern und Jugendlichen, die Interesse am Fußballspiel haben. Welche Tipps kannst du Jungen und Mädchen geben, die mit dem Fußball im Verein beginnen und vielleicht einmal eine Profikarriere, wie sie dir vergönnt war, starten wollen?

Judt: Es ist immer schwierig, schlaue Tipps oder Ratschläge zu geben. Es ist halt auch enorm wichtig, im Kinderfußball motivierende und fachlich gute Trainer zu haben, die nicht unbedingt immer das Ergebnis in den Vordergrund stellen. Der Spaß am Fußball in den jungen Jahren sollte im Vordergrund stehen, damit die Kinder dabeibleiben, und das kann man wunderbar mit Übungen verbinden, die dann das Talent fördern, Stärken verbessern und an Schwächen arbeiten. Früher gab’s eigentlich nur Fußball, da ging’s nach der Schule zum Sportplatz, bis es dunkel wurde. Das hat sich etwas geändert heutzutage. Es ist schön und gut, alle Spieler aus FIFA 19 zu kennen, aber das „Selber kicken“ bitte nicht vergessen! 

VfB-Echo: Wir bedanken uns für das Interview und freuen uns schon auf den nächsten Besuch bei einem VfB-Heimspiel!