7. Spieltag (Sonntag, 18.10.2020, 12:00 Uhr): SG Westerburg/Gemünden/Willmenrod II - VfB Niederdreisbach

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Weiterhin läuft es gut für den VfB: Mit grandioser Moral konnte die Reder-Elf am sechsten Spieltag gegen den haushohen Favoriten Herdorf (1., 15 Punkte) die Partie nach Pausenrückstand drehen. Zahlreiche mitgereiste SG-Fans sahen die frühe Führung für den Tabellenführer, die durch ein Missverständnis zwischen VfB-Spielern und Schiedsrichter begünstigt wurde: Engelbertz war anders als die Heimelf nicht der Ansicht, dass er den Angriff vor dem Tor bereits abgepfiffen hatte. Der VfB ließ sich von dieser Konfusion und vom Rückstand aber nicht beunruhigen, sondern spielte auch noch vor der Pause weiter guten Fußball und belohnte sich in der zweiten Hälfte durch Tore. Weil die Herdorfer ihre durchaus vorhandenen Chancen nicht nutzen konnten, stand für Niederdreisbach unter dem Strich der vierte Sieg im fünften Spiel zu Buche, wodurch der vereinsinterne A-Liga-Startrekord weiter ausgebaut und Platz 5 verteidigt wurde. Eine Premiere ist der Sieg gegen einen Tabellenführer für den VfB indes nicht. Vor dem Sieg gegen Herdorf gelang dies schon mehrmals – letztmals im Oktober 2013, als Niederdreisbach auf dem Bühl Betzdorf II mit 4:3 von der Spitze stürzte.
Eine doppelte Premiere gibt es für den VfB hingegen am siebten Spieltag der Kreisliga A WW/Sieg. Erstmals spielt die Mannschaft seit Wiederaufnahme des eigenständigen Spielbetriebs in Gemünden und erstmals in der Kreisliga A bereits um die Mittagszeit. Nicht einmal gegen die Reservemannschaften der SG 06 Betzdorf oder der SG Neitersen/Altenkirchen war dies seit dem Aufstieg 2012 der Fall; das Auswärtsspiel bei unserem nächsten Gegner in der Vorsaison, das im März 2020 für 12:30 Uhr angesetzt gewesen war, fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. So muss man schon ins Jahr 2011 zurückgehen, um ein VfB-Spiel zu finden, das ähnlich früh angepfiffen wurde wie die Partie am kommenden Sonntag: Ende November 2011, damals noch in der Kreisliga B2, verlor Niederdreisbach ein um 12:30 Uhr angepfiffenes Spiel bei Neitersen II mit 1:2. Es war der einzige Punktverlust in der Rückrunde der Saison 2011/2012, die mit dem Aufstieg in die Kreisliga A endete.
Aus der Niederlage vor fast neun Jahren irgendwelche Rückschlüsse auf das frühe Spiel gegen Westerburg II zu ziehen, ist sicherlich fehl am Platz. Anders als der nächste Gegner war Neitersen II nämlich ein Spitzenteam, das durch den Erfolg vorübergehend bis auf einen Punkt an Niederdreisbach heranrückte. Westerburg II hingegen steht in der aktuellen Saison noch punktlos am Tabellenende und somit satte zwölf Zähler hinter dem VfB.
Viel mehr kann man aus dem Duell mit der Bezirksligareserve selbst in der letzten Spielzeit lernen. Schon in der Saison 2019/2020 war der Aufsteiger der Abstiegskandidat schlechthin und wäre wohl ohne Saisonabbruch auf direktem Wege zurück in die Kreisliga B1 gegangen. Genau wie in diesem Jahr hatte Westerburg II vor dem Duell mit Niederdreisbach die ersten vier Spiele verloren. Damals gab es für den zu diesem Zeitpunkt auf Platz 6 rangierenden VfB gegen den Außenseiter allerdings nur ein ernüchterndes 1:1. Als erste Mannschaft musste die Reder-Elf also Punkte gegen Westerburg II abgeben. 


Spielszene vom bisher einzigen Aufeinandertreffen zwischen VfB und Westerburg II am fünften Spieltag der Saison 2019/2020 (Foto: Thorsten Buchner)

Das soll natürlich nicht noch einmal passieren. Dafür braucht der VfB diesmal mehr Glück im Abschluss als im September 2019, als man klar die bessere Mannschaft war, doch dreimal nur Aluminium traf. Mit dem Toreschießen klappt es zum Glück generell besser als in der Vorsaison. Ohne Torerfolg blieb der VfB nie, im vorletzten Spiel erzielte er gleich ein halbes Dutzend Treffer, und selbst der SG Herdorf, die bis dahin in allen fünf Spielen zusammen erst zwei Gegentore hatte hinnehmen müssen, wurden danach drei Tore eingeschenkt. Wenn man neben der Offensivqualität noch die bisherige Abwehrstärke als zweitbeste Verteidigung hinter Herdorf betrachtet, kann sich der VfB unmöglich gegen die Favoritenrolle für das Spiel in Gemünden wehren.
Für Westerburg II ist in diesem Jahr erneut der Klassenerhalt das einzige messbare Ziel neben der recht vagen Vorgabe „in der Kreisliga A Spaß haben“ (Rhein-Zeitung vom 8.9.20). Durch nur einen externen Neuzugang wurde die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison verstärkt, ansonsten rückten Jugendspieler in den Seniorenbereich auf. Trotz eines auf diese Weise verbreiterten Kaders gingen alle Pflichtspiele der laufenden Saison in die Hose. Dem 2:3 beim B-Ligisten Müschenbach II im Kreispokal folgten die bereits angesprochenen vier Niederlagen in der Liga. Mit Spielen gegen Herdorf und Friesenhagen, in denen kein eigener Treffer gelang, hatte Westerburg II einen knallharten Auftakt. Gegen die SG Gebhardshainer Land und die SG Daaden gab es danach immerhin je zwei eigene Tore zu bejubeln. Das reichte aber nicht zu Punkten, weil die Blau-Weißen in den bisherigen fünf Pflichtspielen im Schnitt exakt drei Gegentore pro Partie hinnehmen mussten. Auch vorne drückt noch der Schuh, denn mit durchschnittlich genau einem Tor kann man nur schwer die Klasse halten. Sieht man von den ersten Spieltagen ab, stand die Westerburger Reserve in ihrer 14-monatigen A-Liga-Historie folgerichtig immer auf einem direkten Abstiegsplatz. Ganz oben steht die Mannschaft nur in der Fairness-Tabelle, im eigentlichen Tableau dagegen ganz am Ende. Das wird sich selbst bei einem Sieg gegen den VfB nicht ändern. So oder so muss aber spätestens im Nachholspiel gegen das Kellerkind Hamm am kommenden Mittwoch der erste Erfolg her, wobei Westerburg II im Grunde schon gegen Niederdreisbach unter argem Zugzwang steht. Am liebsten würde die Maucieri-Elf wohl wie schon letztes Jahr gegen den VfB mindestens einen Punkt einfahren.
Niederdreisbach kann in der 12-Uhr-Partie vorlegen und sich vorübergehend auf Platz 2 schieben. Bei einem Erfolg gegen Westerburg II gäbe es aber auch nach Abschluss der anderen Spiele mindestens einen Sprung auf Platz 3. Im absoluten Spitzenspiel empfängt nämlich ab 15 Uhr die SG Herdorf die SG Lautzert/Berod (2., 13 Punkte). Der Verfolger konnte den Spitzenreiter trotz dessen Niederlage in Niederdreisbach nicht von Platz 1 verdrängen, weil er selbst letzte Woche nicht gespielt hat. So könnte Lautzert nun im direkten Duell an die Spitze rücken. Doch egal wie dieses Topspiel endet: Gewinnt der VfB gegen das Schlusslicht, schiebt er sich an mindestens einem der beiden Teams vorbei. Friesenhagen (3., 13 Punkte) dürfte hingegen den Platz vor Niederdreisbach verteidigen, denn gegen Hamm (12., 6 Punkte) ist die DJK eindeutig favorisiert. Den Sportfreunden Schönstein (5., 10 Punkte) gelangen in Betzdorf die ersten Auswärtstore und -punkte der Saison, wodurch sie Niederdreisbach weiter im Nacken sitzen. Im Heimspiel gegen den Vorletzten Alsdorf (14., 5 Punkte) sind drei Punkte schon fast garantiert. Bei einem Niederdreisbacher Ausrutscher in Gemünden ginge Schönstein also vorbei. Weiter nach unten als auf Platz 5 kann der VfB aber nicht rutschen, weil Niederfischbach (6., 9 Punkte) diese Woche zuschaut. Betzdorf (7., 8 Punkte) ist schon zu weit zurück und könnte den VfB selbst bei einem Sieg bei der SG Nauroth (13., 3 Punkte) nicht überholen. Gleiches gilt für den SSV Weyerbusch (8., 8 Punkte), der Guchkheim (11., 6 Punkte) empfängt. Im Mittelfeld der Tabelle begegnen sich Gebhardshainer Land (10., 6 Punkte) und Daaden (9., 7 Punkte).

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