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11. Spieltag (Samstag, 27.10.13, 14:30 Uhr): SG 06 Betzdorf II - VfB Niederdreisbach

Betzdorf 3:4 VfBLogo50x50

 

Phantom-Josten ebnet Weg zum Auswärts-Wahnsinn

Der VfB reiste mit einer Horror-Serie im Gepäck als krasser Außenseiter zum Tabellenführer. Beim Auflaufen der Mannschaften spiegelte sich dieses auch wieder. Die Niederdreisbacher in den ungewohnten schwarzen Trikots wirkten relativ unscheinbar, während die Betzdorfer energisch auftraten und sich in einem Mannschaftskreis lautstark selbst anfeuerten. Doch nach dem Anpfiff wendete sich alles in eine andere, unerwartete Richtung. Der VfB ging mit der ersten nennenswerten Szene des Spiels in Führung. Doch statt eines Jubelausbruchs, regierte ungläubiges Umherblicken. Man musste mehrmals hinsehen, um zu begreifen, dass der Ball im Tor war. Sandro Josten hatte eine Bogenlampe fabriziert, die aufgrund einer unheimlichen Flugkurve und der schlechten Sichtverhältnisse vom gegnerischen Torwart nicht berechnet, geschweige denn gesehen werden konnte – somit ein reguläres Phantom-Tor (12.). Leider glichen die Betzdorfer ebenfalls mit ihrem ersten Torschuss aus. Florian Kempfs Distanzschuss landete abgefälscht und unhaltbar im rechten Eck (22.). In einer zerfahrenen Partie gab es im ersten Durchgang kaum Höhepunkte. Der VfB hatte noch einen Freistoß durch Patrick Kober, der allerdings zu zentral aufs Tor kam (31.). Betzdorf kam durch Steven Moosakhanis Fernschuss zu einer guten Gelegenheit (36.). Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich aber ein hoch spannendes Spiel. Mit Volldampf kam Heiko Schnell aus der Kabine. Er tankte sich mit einer fantastischen Energieleistung über die rechte Seite durch und bediente den in der Mitte gut postierten Markus Nickol. Unser Torjäger erzielte eiskalt die Führung (47.). Anschließend verzeichnete die SG eine Doppelchance. Zunächst vereitelte Pierre Zeitz eine hundertprozentige Möglichkeit (52.) und dann klärte er per Faust gegen Stephan Otto (55.). Nach etwa einer Stunde präsentierte Markus Nickol den Zuschauern ein Kabinettstückchen, als er per Seitfallzieher nur äußerst knapp scheiterte. Auf der anderen Seite wäre im Gegenzug fast der Ausgleich gefallen (62.). Wenig später folgten die acht Minuten des Wahnsinns. Der Startpunkt war das vermeintlich vorentscheidende 3:1 durch Markus Nickol in der 69. Spielminute nach einer Quast-Vorlage. Die SG konterte diesen Akt postwendend in Person von Yannick Brenner, der den Anschlusstreffer markierte (70.). Doch der VfB hatte wiederum die passende Reaktion im Anschlag. Marcel Quast wurde mit einem guten Ball auf die Reise geschickt und gewann im Eins-gegen-Eins-Duell mit dem Torwart – 4:2 (71.). Drei Tore in drei Minuten wurden ergänzt durch einen Handelfmeter für die Gastgeber. Florian Kempf trat an und versenkte den Ball im linken unteren Eck (77.). Die letzte Viertelstunde hieß es zittern und den Vorsprung über die Zeit retten. Es blieb hoch spannend, aber es gab keine klaren Torchancen mehr.

Fazit: Eine tolle Mannschaftsleistung des VfB. Nach den Katastrophen-Wochen belohnt sich das Team endlich mal wieder mit Punkten und landet einen grandiosen Sieg beim Tabellenführer, der zuvor nur zwei Heimgegentore kassiert hatte. Dieses Resultat dürfte dringend benötigtes Selbstvertrauen zurück in die zuletzt eingerosteten VfB-Adern pumpen und für Aufwind sorgen. Die Konkurrenten im Tabellenkeller Steineroth, Meudt, Wied, Derschen und Honigsessen haben allesamt verloren, was dem VfB zusätzlich in die Karten spielt. In der nächsten Woche wartet gleich die nächste Chance. Denn dort kommt der neue Tabellenführer aus Wissen. Man ist wieder Außenseiter und kann ohne Druck, dafür mit dem neu gewonnen Selbstvertrauen antreten.

Aufstellung: Pierre Zeitz, Andreas Lenz, Simon Hempel, Simon Lenz, Patrick Kober, Stefan Lenz, Konstantin Knautz, Heiko Schnell, Sandro Josten, Marcel Quast, Markus Nickol (85. Sven Koch)

Nächste Partie: 12. Spieltag Kreisliga A am Sonntag, dem 03.11. um 14:30 zu Hausen gegen Wissen.


Vorbericht

Am 11. Spieltag der Kreisliga A WW/Sieg reist der VfB Niederdreisbach nach Scheuerfeld zur Reserve der SG 06 Betzdorf. Nach Niederroßbach am 2. Spieltag,  Wallmenroth am 4. Spieltag und Mündersbach am 6. Spieltag ist somit bereits zum vierten Mal in dieser Saison der jeweilige Tabellenführer Gegner der Seibert-Elf. Die Rollen sind also klar verteilt: Betzdorf II ist der klare Favorit und peilt die Verteidigung des Spitzenplatzes an. Es würde eine große Überraschung bedeuten, wenn Niederdreisbach am Sonntag Punkte für den Abstiegskampf holen könnte. Wie Daniel Strunk im Spielbericht nach der verlorenen Partie gegen Alsdorf bemerkte, kann die Mannschaft aber gerade deshalb frei aufspielen, wie es ihr auch beim Sieg gegen Mündersbach gelang. Dass der neue Übungsleiter Markus Meier mit Betzdorf II ganz oben stehen würde, wurde übrigens von seinen Kollegen vor der Saison nicht erwartet. In Tempo, Tore, Titeljagd gab keiner der Trainer die SG 06 als Titelanwärter an. Meier selbst peilt hingegen in absehbarer Zukunft einen Aufstieg an. Ob dieser bereits in dieser Spielzeit gelingt, wird sicherlich nicht zuletzt davon abhängen, wie viele Spieler aus dem Oberligateam seine Mannschaft bei Punktspielen verstärken. Nicht nur die endgültige Platzierung, sondern auch einzelne Spiele lassen sich bei der einzigen Reserve der Liga nur schwer vorhersagen. Zuletzt flog Betzdorf II mit 1:2 gegen Niederfischbach aus dem Kreispokal, nachdem gegen die gleiche Elf in der Liga ein 5:0-Sieg gelungen war. In der Meisterschaft hatte der Niederdreisbacher Max Ermert, der eigentlich dem Oberligakader angehört, zwei Tore geschossen, während er im K.O.-Spiel fehlte. Dass Betzdorf II nach einem 4:4 gegen Steineroth am 10. Spieltag nun wettbewerbsübergreifend seit zwei Spielen sieglos ist, hat also nicht unbedingt eine Bedeutung für die Begegnung mit dem VfB Niederdreisbach. Auf der einen Seite sind die Betzdorfer sicherlich nicht so eingespielt wie andere Teams, auf der anderen Seite haben sie zahlreiche junge und technisch starke Spieler in ihren Reihen, die die überregional spielenden Jugendmannschaften des Vereins durchlaufen haben. Aufgrund der individuellen Klasse vieler Spieler darf es deshalb nicht verwundern, dass sich die 27 Treffer der SG auf 12 verschiedene Torschützen verteilen, was einen Ligabestwert darstellt. Selbst wenn Stefan Stahl (5 Tore), der erfolgreichste Angreifer, in der Oberliga aufläuft oder von der VfB-Defensive über das gesamte Spiel bewacht wird, hat unser nächster Gegner viele weitere Offensivakteure in seinen Reihen, die eine solche Lücke schließen könnten: Nach Mündersbach stellt Betzdorf II den treffsichersten Angriff und hat mehr als doppelt so viele Tore erzielt wie der VfB Niederdreisbach. Wer nach zehn Spieltagen den ersten Platz belegt, hat aber natürlich auch eine starke Defensive. Betzdorfs Gegnern gelangen in der Saison bisher lediglich zwölf Gegentore. Nur Wissen hat weniger Tore hinnehmen müssen. Bei den vier Heimsiegen (in vier Spielen) musste der Betzdorfer Torwart erst zweimal den Ball aus seinem Netz fischen. Die Chancen auf den ersten Auswärtssieg sind für den VfB also gering. Vielleicht überrascht Niederdreisbach aber ausgerechnet in der aktuellen Situation die gesamte Liga und sorgt selbst dafür, dass man nur eine Woche später beim Spiel gegen den VfB Wissen schon zum fünften Mal einem Tabellenführer begegnet.

Die Weller-Elf, derzeit mit 22 Zählern auf dem zweiten Platz liegend, könnte bei einem Punkt Rückstand auf Betzdorf II nämlich von einem Ausrutscher des Spitzenreiters profitieren und – ein eigener Sieg gegen Steineroth (9., 13 Punkte) vorausgesetzt – erstmals in diesem Jahr selbst den Platz an der Sonne übernehmen. Am Tabellenende liegt seit letzter Woche nur noch ein Punkt zwischen Niederdreisbach auf Platz 11 (7 Punkte) und Schlusslicht Honigsessen (6 Punkte). Dennoch ist der Druck für den VfB anders als vor den direkten Duellen gegen Abstiegskandidaten in den vergangenen Wochen verhältnismäßig gering, da auch die anderen Mannschaften in den unteren Regionen am 11. Spieltag wahrscheinlich nicht punkten werden: Alsdorf (12., 7 Punkte) ist gegen Weyerbusch (7., 15 Punkte) ebenso Außenseiter wie Honigsessen gegen Niederroßbach (5., 18 Punkte) und Derschen (13., 7 Punkte) bei der SG Wallmenroth (3., 21 Punkte). Niederdreisbachs oberer Nachbar Wied (10., 10 Punkte) dürfte gegen Betzdorf-Bezwinger Niederfischbach (6., 16 Punkte) ebenfalls Schwierigkeiten haben. Auch Meudt (8., 13 Punkte) hat sich noch nicht endgültig aus dem Abstiegskampf verabschiedet, denn mit Mündersbach (4., 19 Punkte) reist ein Spitzenteam an, das zudem unter der Woche die Qualifikation für das Halbfinale des Kreispokals perfekt gemacht hat.

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