7. Spieltag (Sonntag, 29.09.2019, 15 Uhr): VfB Niederdreisbach - DJK Friesenhagen

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Zwar verlor der VfB Niederdreisbach (8., 7 Punkte) das Lokalduell in Herdorf knapp mit 3:4, kann aber durchaus auch Positives mitnehmen: Die Mannschaft zeigte Moral, glich zweimal nach Rückstand aus und verkürzte noch einmal. Außerdem konnte der VfB das Spiel gegen die Spitzenmannschaft aus Herdorf eng gestalten, obwohl mit Kapitän Stefan Ermert, Toptorjäger Christian Hüsch und Rekordspieler Sandro Josten Schlüsselspieler nicht zum Einsatz kamen und Leistungsträger Max Ermert zwanzig Minuten vor Schluss verletzt ausgewechselt werden musste. Seine Verletzung war jedoch eine Horrornachricht, die schwerer wiegt als die Niederlage in der Glück-Auf-Kampfbahn. Max Ermert, der in den drei Spielzeiten seit dem Wechsel in sein Heimatdorf stets der Spieler mit den meisten Einsätzen war, wird mindestens für den Rest der Hinrunde ausfallen. Die Reder-Elf hat aber bereits bewiesen, dass sie namhafte Ausfälle wegstecken kann und wird sich auch jetzt nicht unterkriegen lassen.
Dennoch macht es die Situation nicht einfacher, dass der VfB Niederdreisbach ausgerechnet jetzt auf heimischem Platz den frischgebackenen Tabellenführer der Kreisliga WW/Sieg erwartet. Die DJK Friesenhagen (1., 16 Punkte) entthronte letzte Woche im direkten Duell die SG Alpenrod locker-leicht mit 6:2. Mit 16 von möglichen 18 Punkten steht sie völlig verdient auf dem Platz an der Sonne.
Damit setzt Friesenhagen seine Erfolgsstory fort, die den Niederdreisbacher Durchmarsch einige Jahre zuvor noch übertrifft. Zur Erinnerung: Der VfB war nach dem Austritt aus der SG Daadetal 2009 in der Kreisliga D gestartet und kletterte nach drei Meisterschaften in Folge im Rekordtempo in die Kreisliga A empor, wo er seither ansässig ist. Friesenhagen ging 2017 nach Auflösung der Spielgemeinschaft mit Katzwinkel, die nur drei Jahre bestanden hatte, wieder mit einem eigenständigen Team an den Start, das seitdem auf Anhieb C- und dann B-Liga-Meister wurde und nun eben erstmals in der Vereinsgeschichte in der Kreisliga A antritt. In der Beletage des Kreisligafußballs stehen die Jungs aus dem Wildenburger Land nach sechs Wochen ganz oben. So ist Friesenhagen 2019 wie Niederdreisbach 2012 Anwärter auf die dritte Meisterschaft in Folge, nur dass es im Falle der DJK sogar um den Bezirksliga-Aufstieg geht.
In den vergangenen zwei Jahren sprengten die Blau-Gelben etliche Rekorde. In der Kreisliga C gewannen sie jedes einzelne Spiel und schossen im Schnitt fast sieben Tore pro Spiel – deutschlandweiter Bestwert. In der Kreisliga B gab es letzte Saison für Friesenhagen die einzige Niederlage erst, als die Meisterschaft schon feststand. In dieser Spielklasse gelangen durchschnittlich über vier Tore pro Spiel. In der Kreisliga A liegt dieser Wert immer noch bei exakt vier Treffern. Dieses sportliche Märchen ist ein toller Beleg dafür, dass kleine Dorfvereine mit einem verschworenen Haufen an einheimischen Akteuren auch außerhalb von Spielgemeinschaften erfolgreich sein können.
Vater des Erfolgs ist Trainer Maik Greb. Zwar betonte er im Gespräch mit der Siegener Zeitung, dass „diese Mannschaft auch ohne [ihn] diesen Erfolg gehabt hätte“ (Sonderbeilage vom 15.8.19). Tatsächlich wäre es aber wohl kaum denkbar, dass eine erfolgsverwöhnte Mannschaft nach dutzenden Siegen in Serie auf dem Teppich bleibt und vor allem auch die Defensivarbeit nicht vernachlässigt. Oft wird bei aller Bewunderung des Friesenhagener Angriffs nämlich die tolle Abwehrleistung vergessen.  Letzte Saison gab es nur 25 Gegentore in 26 Ligaspielen, was selbstverständlich ebenso Ligabestwert war wie ein Jahr zuvor in der Kreisliga C, als die Gegner sogar nur vierzehnmal ins Friesenhagener Tor getroffen hatten.
Der wohl bekannteste DJKler ist dennoch ein Stürmer. Janosch Schmallenbach wurde 2017/18 und 2018/19 mit 59 und 50 Toren souveräner Torschützenkönig und führt momentan mit 15 Toren nach sechs Spielen auch in der Kreisliga A die Torjägerliste an. Er hat also sechs Tore mehr auf dem Konto als die gesamte Niederdreisbacher Mannschaft. Hält er seine bisherige Trefferquote, kommt er diesmal sogar auf 65 Treffer. Ihn nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, ist die ganz große Aufgabe, der sich Woche für Woche die Trainer stellen müssen – und Woche für Woche gelingt es ihnen nicht.
Tatsächlich hat hinter Schmallenbach kein anderer Friesenhagener Spieler mehr als drei Treffer erzielt. Das war in den vergangenen Jahren noch anders. Sowohl Leon Ohrndorf als auch Johannes Schuh hatten am Ende der beiden Meistersaisons jeweils eine zweistellige Trefferzahl. Sollte Schmallenbachs Tordrang einmal eingedämmt werden, könnten diese beiden also einspringen.
Routinier Schuh war übrigens schon bei Friesenhagens letztem Auftritt in Niederdreisbach vor über acht Jahren dabei. Anfang September 2011 bezwang der VfB die DJK mit 3:0; das Rückspiel in Friesenhagen ging exakt drei Monate später mit 7:2 an Niederdreisbach. Am Ende der Saison stieg die DJK in die Kreisliga C ab, während der VfB in die Kreisliga A aufstieg. Die Ausgangslage ist Ende September 2019 natürlich eine ganz andere. Das aktuelle Kräfteverhältnis wird schon eher durch das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften deutlich. Vor gut einem Jahr, Anfang September 2018, schoss die DJK als B-Ligist den klassenhöheren VfB mit 3:0 aus dem Kreispokal. Nicht nur deshalb erwartet von der DJK Friesenhagen jeder einen Pflichtsieg, während für den VfB Niederdreisbach schon ein Unentschieden einen riesigen Erfolg darstellen würde.

Durch die Niederlage in Herdorf ist der VfB Niederdreisbach wieder in die untere Tabellenhälfte gerutscht, wo ihm einige Mannschaft im Nacken sitzen. Punktgleich ist die SG Alsdorf (9., 7 Punkte), die vor einem sicheren Sieg gegen Hamm (13., 1 Punkt) steht und insofern wahrscheinlich vorbeiziehen dürfte. Die ebenfalls punktgleiche SG 06 Betzdorf (10., 7 Punkte) hofft nach dem Derbysieg gegen Alsdorf auf Zählbares bei der SG Daaden (12., 3 Punkte), die nun schon sechs Pflichtspiele hintereinander verloren hat. Auch Guckheim (11., 6 Punkte) kann Niederdreisbach überholen, falls dem VfB keine Sensation gegen Friesenhagen gelingt. Die Guckheimer stehen allerdings bei der SG Alpenrod (2., 15 Punkte) vor einer kniffligen Aufgabe. Mindestens auf Punkt Nummer 2 hofft Westerburg II (14., 1 Punkt) beim Auswärtsspiel gegen die SG Berod-Wahlrod/Lautzert (6., 10 Punkte), die aber drei der letzten vier Spiele gewann. Das Paarung Schönstein (5., 11 Punkte) gegen Gebhardshainer Land (7., 9 Punkte) ist eines von zwei Aufeinandertreffen zweier Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte. Das andere ist das Spitzenspiel dieses Sonntags: Niederfischbach (3., 15 Punkte) erwartet Herdorf (4., 12 Punkte). Zum ersten und einzigen Mal in dieser Hinrunde werden übrigens alle Partien eines Spieltags zeitgleich angepfiffen.

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