Der letzte Lenz geht von Bord

In den ersten Jahren in der Kreisliga A bestimmte der Name „Lenz“ die Aufstellung des VfB Niederdreisbach: Ab 2011 standen mit Andreas, Simon und Marco Lenz drei „Lenze“ im Kader, ab 2012 stieß dann noch Stefan Lenz hinzu. Alle vier prägten diese Ära entscheidend mit. Mit Stefan „Säudier“ Lenz verabschiedet sich nun der letzte Spieler aus diesem Quartett in den fußballerischen Ruhestand. Über seine acht Spielzeiten beim VfB war er ein ganz wichtiger Mann im Team. 133 Pflichtspieleinsätze, zwanzig Pflichtspieltore und zwölf Testspieltore für Niederdreisbach sprechen für sich. Neben seinem Einsatz auf dem Feld war „Säudier“ als Routinier aber auch in der Kabine einer, auf den seine Mitspieler hörten. So stieg er wenig überraschend zum spielenden Co-Trainer auf und führte gelegentlich sein Team als Kapitän aufs Feld – so beim letzten Pflichtspiel seiner Karriere am 10. November 2019 in Kirchen (siehe Foto). Bei seinem allerletzten Auftritt, dem 3:1-Testspielsieg gegen die SG 06 Betzdorf, erzielte er mit dem zwischenzeitlichen 2:0 ein persönliches Abschiedstor. Im Interview spricht Lenz über vergangene Jahre und verabschiedet sich von allen VfBlern:


Im letzten Spiel seiner Laufbahn trug Stefan Lenz (erster VfB-Spieler von rechts) die Kapitänsbinde. (Foto: Thorsten Buchner)

VfB-Echo: Im zarten Alter von 35 Jahren hast du dich dazu entschlossen, zur Saison 2020/2021 nicht mit in die Saisonvorbereitung zu starten. Wieso hast du dich für das Karriereende entschieden und wie hat die Mannschaft deine Entscheidung aufgenommen?

Lenz: Die Entscheidung ist mir echt schwergefallen, aber irgendwann muss man sich einfach eingestehen, dass es keinen Sinn mehr macht. Leider haben mich die letzten Jahre immer wieder Verletzungen und körperliche Probleme zurückgeworfen, sodass ich einfach nicht mehr richtig in Tritt gekommen bin, obwohl man sich ja bekanntermaßen mit 35 im besten Fußballeralter befindet. Des Weiteren wird es auch immer schwieriger der Familie zu erklären, dass man trotz Verletzung sonntags nicht da ist. Da war der Schritt die logische Konsequenz. Ich denke, die Mannschaft hatte den Schritt erwartet und die meisten werden auch Verständnis dafür haben.

VfB-Echo: Schauen wir mal ein bisschen auf deine Karriere zurück. Nach vielen Jahren in Weitefeld und Derschen (siehe Fotos) wechseltest du 2012 zum frischgebackenen A-Liga-Aufsteiger Niederdreisbach. Welche Ereignisse, Spiele oder Spielszenen sind dir von deinen vorherigen Stationen besonders in Erinnerung geblieben?


Stefan Lenz im März 2005 und im November 2011 im Trikot der SG Weitefeld bzw. des SV Adler Derschen
(Quelle jeweils: Rhein-Zeitung)

Lenz: Eieiei, das ist ja eine schwierige Frage! Die Beantwortung würde den Rahmen der Befragung sprengen. Da fällt mir so vieles ein. Alles in allem liebe ich den Fußball mit allem, was dazu gehört, und mir hat es in allen Stationen immer Spaß gemacht. Sowohl auf dem Platz wie auch neben dem Platz.

VfB-Echo: Wie kam es nach diesen schönen Zeiten dann dazu, dass du vor gut acht Jahren den Schritt wagtest und dich dem VfB Niederdreisbach anschlossest, der damals erst in sein viertes Jahr außerhalb der SG Daadetal ging?

Lenz: Der Grund war, dass ein Großteil meiner Kumpels schon beim VfB spielte und ich wusste, dass die Truppe eine gute Qualität für die A-Klasse besitzt. Da hatte ich einfach Bock drauf. Auch wenn es mir ein bisschen wehgetan hat, dass ich den Adler nach nur zwei Jahren wieder verlassen habe.

VfB-Echo: Hättest du damals schon gedacht, dass aus deinem Engagement beim VfB acht Jahre werden würden?

Lenz: Das ist eine schwierige Frage. Eigentlich habe ich immer gedacht, dass ich meine Karriere beim Heimatverein in Weitefeld beenden werde – eigentlich ist es ja sogar so, da ich bei den Alten Herren anheuern werde (lacht). Mir ist der VfB aber mit der Zeit so ans Herz gewachsen und für mich war es klar: es muss Jahr für Jahr das Ziel sein, die A-Klasse zu halten. Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus (lacht). Das war und ist weiterhin das Projekt des kleinen eigenständigen Vereins.

VfB-Echo: In all den Jahren hat sich der kleine VfB Niederdreisbach stets in der Kreisliga A behauptet und konnte sogar dreimal in die Top 5 vorstoßen. Was war aus deiner Sicht die schwierigste Phase im VfB-Trikot und welches Highlight wird dir besonders in Erinnerung bleiben?

Lenz: Für mich persönlich war das erste Jahr das schwierigste. Ich kam zum VfB und es wurde viel von mir erwartet. Es stand eine zweistellige Anzahl an Toren pro Saison im Raum. Die Erwartungen konnte ich nicht erfüllen und fand mich auch recht oft auf der Bank wieder (Anmerkung der Redaktion: 11x Startelf, 10 Einwechslungen). Ab dem zweiten Jahr ging's für mich aufwärts und ich fand meinen Platz recht häufig im defensiv zentralen Mittelfeld und nur noch gelegentlich im Sturm.

Ein Kreuzbandriss warf mich dann noch einmal zurück und hat mich eine Saison gekostet (Anmerkung: nur 3 Einsätze 14/15). Aber ich kam zurück.

Aber das schwierigste Jahr war, als Heiko im Winter den Trainerposten übernahm und ich ihm als Co-Trainer zur Seite stand. Wir standen zur Winterpause echt gut da (Anmerkung: Platz 7) und ab da lief nichts mehr, aber auch gar nichts. Wir sind fast verzweifelt. Das Ende vom Lied war, dass wir im letzten Saisonspiel gegen den bereits gekrönten Meister aus Niederroßbach gewinnen mussten, um der Relegation zu entgehen. Wir legten das beste Saisonspiel hin und führten bis in die Nachspielzeit 1:0. Leider reichte es nicht. Das Spiel endete 1:1.

Und jetzt mein persönliches Highlight: die Relegation. Hier hat die Mannschaft wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Wir gewannen gegen Rennerod und setzten uns danach gegen einen starken Gegner aus Steineroth in einem Wahnsinnsspiel durch.

VfB-Echo: Blicken wir zum Abschluss des Gesprächs in die Zukunft: Wirst du den wöchentlichen Kampf um Punkte vermissen? Wie oft wird man dich bei VfB-Spielen als Zuschauer sehen? Was traust du der Mannschaft für die kommende Spielzeit zu?

Lenz: Natürlich werde ich den Kampf vermissen, sehr sogar. Tja, wie oft wird man mich sehen? Ich denke, ich werde tatsächlich nur hier und da sonntags auflaufen, da der Sonntag dann jetzt doch etwas mehr der Familie gehören soll.

Was ich der Mannschaft zutraue ist eigentlich dasselbe wie jedes Jahr. Die A-Klasse ist jetzt schon über Jahre eine sehr ausgeglichene Klasse. Wenn alles passt und es über die Saison wenig Verletzungspech gibt, ist wieder ein Platz zwischen 4 und 6 möglich. Wenn ein paar Kleinigkeiten nicht optimal laufen, spielt man mit dem kleinen Kader ruckzuck auch wieder gegen den Abstieg. Aber was ich der Mannschaft nicht zutraue ist abzusteigen!

VfB-Echo: Vielen Dank für das Interview!