17. Spieltag (Sonntag, 6. März 2022, 15 Uhr): VfB Niederdreisbach - SG Daaden/Biersdorf

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Es gab sicherlich schon positivere Stimmungslagen vor einem Daadetal-Derby als vor dem an diesem Wochenende. Das gilt an diesem 17. Spieltag der Kreisliga A WW/Sieg sowohl für den VfB Niederdreisbach als auch für die SG Daaden/Biersdorf.
Der VfB ist als Vierter zwar weiterhin hervorragend platziert, musste jedoch im letzten Nachholspiel eine deutliche 0:6-Heimpleite einstecken, nachdem es in den sechs vorherigen Ligaspielen auf eigenem Platz insgesamt erst ein einziges Gegentor gegeben hatte. Überbewerten muss man diese Niederlage jedoch nicht, denn der Gegner Lautzert ist souveräner und ungeschlagener Tabellenführer und steht mit einem Bein schon in der Bezirksliga. Sogar in Bestbesetzung und Topform hat es jede Mannschaft der Liga schwer, gegen diese Truppe zu punkten. Unter den gegebenen Voraussetzungen war es für Niederdreisbach einfach nicht möglich. Aufgrund verschiedenster Faktoren, u.a. auch der Corona-Pandemie, konnten im Vorfeld nämlich nur zwei Testspiele durchgeführt werden. Außerdem fielen mit Max Ermert, Julian Harnischmacher, Christian Meyer, Lorenz Stühn und Kevin Buchner eine ganze Reihe wichtiger Spieler aus. Gerade in der Defensive musste deshalb stark improvisiert werden.
Der eine oder andere Spieler wird zwar hoffentlich beim Derby wieder bereitstehen, aber das trifft definitiv nicht auf alle der hier genannten Ausfälle zu – dass Max Ermert nach der im letzten Vorbereitungsspiel erlittenen Verletzung auch gegen Daaden die Partie nur von der Seitenlinie aus verfolgen kann, ist zum Beispiel kein Geheimnis. Die Gemütslage in der Mannschaft nach der Niederlage im Nachholspiel beschreibt Co-Trainer Ermert übrigens so: „Die Stimmung war am Sonntag natürlich nicht allzu gut. Niemand ist nach einem 0:6 glücklich. Man muss aber eben auch sagen, dass Lautzert einfach sehr gut ist. Wie wir dann nach dem Abpfiff als gesamte Mannschaft noch lange miteinander in der Kabine gesessen haben, zeigt aber auch, dass wir als VfB immer zusammenstehen. Wir gehen als Mannschaft gemeinsam mit solchen Rückschlägen um, und genau das macht uns stark!“ Die Aussicht auf das Derby nur eine Woche später hilft ganz bestimmt dabei, dass das letzte Spiel nicht zu lange in den Köpfen bleibt.
Für die SG Daaden/Biersdorf ist die Situation ohnehin noch gravierender. Bleibt die Anzahl der Absteiger aus der Bezirksliga so, wie sie zur Winterpause war, würde der momentane Tabellenrang für unsere Nachbarn und früheren SG-Partner den Abstieg bedeuten. Es sind zwar noch etliche Partien zu absolvieren, doch die jüngsten Ergebnisse gaben bei den Städtern wenig Anlass zur Hoffnung. In den letzten drei Ligaspielen trafen die Gelb-Schwarzen auf die einzigen drei Mannschaften, die in der Tabelle noch hinter ihnen stehen: Nauroth, Gebhardshainer Land und Guckheim – und in diesen drei Spielen ergatterte die SG nur einen einzigen Zähler.
Vor dem Nachholspiel gegen Guckheim beschrieb Daadens Trainer Ramb die Situation so, dass seine Mannschaft im Falle einer Niederlage gegen das Schlusslicht „endgültig im Tabellenkeller angekommen“ wäre (siehe Rhein-Zeitung vom 25.2.22). So kam es dann auch tatsächlich, obwohl es zunächst ganz anders aussah: Kapitän Felix Jung startete sein Comeback nach anderthalb Jahren verletzungsbedingter Auszeit perfekt: Er traf nach nicht einmal zwei Minuten und brachte sein Team in der zweiten Halbzeit erneut in Führung. Heimpunkte brachte sein Doppelpack dennoch nicht, wie auch die aus Niederdreisbach angereisten Beobachter feststellen mussten.
Somit steht Niederdreisbach in der Tabelle acht Plätze vor Daaden. Nie war der Abstand zwischen den beiden Mannschaften vor den bisherigen 16 Daadetal-Derbys seit der Trennung größer. Zwölf Punkte mehr als die SG hat der VfB bereits gesammelt. Auch das ist Niederdreisbacher Bestwert, und zwar mit einigem Abstand, denn bisher betrug der Vorsprung vor Lokalduellen nie mehr als vier Punkte. Daaden stand im März 2019 indes sogar schon mal 15 Punkte vor Niederdreisbach. Dass der VfB das Derby vor drei Jahren trotz des riesigen tabellarischen Rückstands gewinnen konnte, dient dann auch als Warnung: In einem solchen Spiel spielt die Gesamtsituation in der Meisterschaft nur eine untergeordnete Rolle. Eine gute Tabellensituation, wie sie die Reder-Elf derzeit innehat, garantiert keinen Derby-Sieg. Stattdessen entscheiden häufig die richtige Einstellung und Motivation an einem solchen Tag.
Motiviert dürften die Daadener ganz bestimmt sein, und zwar nicht nur, weil sie im Abstiegskampf jeden Zähler brauchen. Vor allem haben sie nach dem Hinspiel im August einiges gutzumachen. Mit einem 3:0-Sieg im Gepäck reisten die Niederdreisbacher zurück in ihr Paradiesdorf. „Planlose Daadener“, wie es am 28.3.21 in der Rhein-Zeitung hieß, kassierten damals schon kurz nach der Pause das dritte Gegentor.

 
Reichlich Derbyerfahrung hat VfB-Urgestein Matti Höfer gesammelt. Auch beim Hinspielsieg kam er zum Einsatz. (Foto: Thorsten Buchner)

Hoffnung dürfte die SG vielleicht auch daraus ziehen, dass es diesmal nicht wieder auf dem eigenen Platz zur Sache geht. Daaden ziert nämlich das Ende der Heimtabelle, steht in der Auswärtstabelle hingegen im oberen Drittel. Mit einer gewissen Härte dürfte die Ramb-Elf ins Derby gehen, denn während Niederdreisbach weiterhin in der Fairnesstabelle ganz oben steht, steht dort nur eine Mannschaft hinter Daaden.
Am Ende des Tages könnte letztlich die Unterstützung vom Spielfeldrand den Unterschied ausmachen. Da aus Biersdorf und Daaden einige Schlachtenbummler zu erwarten sind, hofft der VfB auf eine große Zahl an Niederdreisbacher Fans. Die Mannschaft hat es beim bisherigen Saisonverlauf und dem großartigen Ergebnis im Hinspiel definitiv verdient, dass sie gegen die SG Daaden von außen von vielen Fans vorangetrieben wird.

Noch vor dem Derby könnte sich die Situation für Daaden weiter zuspitzen. Sollte nämlich die SG Gebhardshainer Land (14., 12 Punkte) gegen Westerburg II (10., 18 Punkte) auch ihr zweites Ligaspiel in diesem Kalenderjahr gewinnen, würde Daaden vor dem Auftritt in Niederdreisbach sogar auf den drittletzten Platz zurückfallen. Mit Tabellennachbar Guckheim (13., 13 Punkte) und Nauroth (15., 11 Punkte) treffen zeitgleich zum Derby zwei weitere Abstiegskontrahenten direkt aufeinander, wodurch mindestens eine Mannschaft näher an die Ramb-Elf heranrücken könnte. Daadens anderer Tabellennachbar Weyerbusch (11., 15 Punkte) ist währenddessen bei der SG 06 Betzdorf (2., 29 Punkte) nur Außenseiter. Im Mittelfeld der Tabelle duellieren sich Niederfischbach (9., 18 Punkte) und Schönstein (15., 23 Punkte). Lautzert (1., 41 Punkte) und Friesenhagen (3., 26 Punkte) haben in ihren Heimspielen gegen Hamm (7., 18 Punkte) bzw. Alsdorf (8., 18 Punkte) lösbare Aufgaben vor der Brust.

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